"Jüngerschaft" von Andrea Hammer (Sozialwerk Bremen)
Jüngerschaft
»Wenn Christus einen Menschen ruft, dann fordert er ihn auf, zu kommen und zu sterben«‚ hat Dietrich Bonhoeffer gesagt.
Das ist eine prägnante Beschreibung radikaler, kompromissloser Jüngerschaft. Nicht jeder Christ ist zum Märtyrer berufen wie Bonhoeffer selbst. Aber jeder ist zu einer entschiedenen Nachfolge herausgefordert, egal welchen Preis er dafür bezahlen muss.
So wie Jesus am Kreuz gestorben ist und damit die Grundlage der Erlösung gelegt hat, so müssen auch wir unserem „alten Menschen“ sterben und im neuen Leben in Christus wachsen. Wir müssen uns weigern, uns von der Sünde beherrschen zu lassen. Und wir müssen durch die Kraft Gottes in uns einen Lebensstil und einen Charakter entwickeln, der Gott gefällt. Selbstverleugnung oder „Selbstentleerung“ ist nötig, damit das Wesen Christi in uns Gestalt gewinnt.
Das zweite Sterben betrifft unser „Bodenhaftung“ mit der Welt. Wir leben zwar in der Welt, aber sind nicht von der Welt - ihre Maßstäbe gelten uns nicht mehr.
1. Von Jesus gerufen
Der Begriff „Jüngerschaft“ war zur Zeit Jesu nicht neu: Damals waren Schüler der hl. Schriften ihrem Rabbiner völlig unterworfen. Sie durften Gottes Wort nur mit Interpretation ihrer Lehrer studieren.
Jesus rief dagegen eine bunte Mischung von ganz gewöhnlichen Menschen. Sie sollten ihm nachzufolgen und nicht nur an seine Lehre glauben. Er erwartete völligen Gehorsam und lehrte sie Gott und Menschen zu dienen. Er warnte sie vor Leiden, und versprach ihnen die Herrlichkeit des Himmels. Jesus forderte eine radikale und einzigartige Jüngerschaft. In Rabbinerschulen suchte sich der Jünger seinen Meister aus und schloss sich ihm an. Aber Jesus rief seine Leute persönlich zu sich und lud dann ein: »Komm, folge mir.« Manche wurden von seiner Wahrhaftigkeit angezogen, von der Qualität seiner Lehre oder der Kraft seiner Wunder, aber immer stellte er die strengen Bedingungen auf, die er verlangte. Manchmal war es zu viel für sie: »Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören?« Und sie gingen weg - nur die Zwölf blieben ihm.
Wir sehen: Die Initiative kommt immer von Gott. »Ihr habt mich nicht erwählt, sondern ich habe euch erwählt und gesetzt, dass ihr hingehet und Frucht bringet, und eure Frucht bleibe, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er’s euch gebe. Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebet.« Joh. 15,16
Aus diesem Anspruch Jesu ergeben sich zwei wichtige Punkte:
1. Wenn ich verstehe, dass ich persönlich von Jesus auserwählt bin,
dann muss sich
- meine Haltung zu ihm ändern und
- und den Dienst verrichten, den er mir gegeben hat.
Wenn sich ein Sportler qualifiziert hat, sein Land bei der Olympia zu vertreten, dann ist seine Einstellung anders als die eines Zuschauers. Er gibt sich völlig dran, weil er auserwählt worden ist. Er entwickelt ein starkes Gefühl der Verantwortung, das der begeisterte Tourist nicht hat.
Viele Christen glauben, dass sie eine »Entscheidung für Jesus« getroffen haben, oder dass sie sich eine bestimmte Gemeinde ausgesucht haben. Aber: Wo der Mensch im Mittelpunkt steht, droht der geistliche Tod! Nur wenn wir uns als auserwählt verstehen, gerufen und von Jesus gesandt, leben wir verantwortungsbewusst und geben unsere Leiber als lebendiges Opfer hin, das heilig und für Gott annehmbar ist.
2. Gott ruft uns in die gemeinsame Jüngerschaft,d.h., dass wir unser Leben mit ihm und miteinander teilen. »Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.« Durch diese Liebe werden wir als seine Jünger erkannt. Und dadurch wird unser Dienst fruchtbar und unsere Gebete effektiv.
Entschiedene Nachfolge ist nie einfach; es gibt Schmerz und Tränen, und häufig müssen wir unsere Werte und unsere Motivation neu überdenken. Gott will, dass die Kraft des Heiligen Geistes in uns wirkt und dass wir die ermutigende Liebe und Unterstützung der anderen Jünger erfahren. So gewinnen wir den Kampf gegen die Mächte der Finsternis und helfen einander, die Aufgaben zu erfüllen, die Gott uns gegeben hat. Christen sind keine Einzelkämpfer, sondern „Teamplayer“, die miteinander das Reich Gottes bauen.
2. Zu Jesus gerufen
Der Ruf von Jesus war auch ein Ruf zu Jesus. Der jüdische Rabbiner erwartete, dass seine Jünger sich einer bestimmten Lehre widmeten. Aber der Ruf Jesu ist ganz und gar persönlich - seine Jünger sollen ihm folgen, bei ihm sein und sich ihm hingeben. Sie sollen an ihn glauben und aus ihrem alten sündigen Lebensstil heraustreten.
Bei der Berufung von Petrus und Nathanael sieht man ihre Reaktion auf die Person Jesu. Als Petrus die mächtige Gegenwart Jesu erlebt, fällt er auf seine Knie und sagt: „Herr, gehe von mir hinaus. Ich bin ein sündiger Mensch.“ Als Nathanael Jesus erkennt, sagt er: “Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!“ Jesu teilte sein Leben mit seinen Schülern. Mit dem engen Kreis der Zwölf gab es eine besonders tiefe Verbundenheit, aber er gab sich allen, die auf seinen Ruf antworteten. Seine große Anziehungskraft lag in seiner liebevollen Fürsorge, die so echt und offen war, dass alle wussten, dass sie ihm vertrauen konnten. Seine transparente Offenheit und Wahrhaftigkeit zog die Menschen in eine liebevolle Beziehung, die sie vorher nicht kannten. Deshalb waren alle so verstört, als sein vollkommenes Leben der Liebe am Kreuz zerbrochen wurde. Danach brauchte Jesus einige Zeit, um den Glauben und die Hingabe der Jünger wiederherzustellen. Er tat das und führte sie sanft in eine erneute Beziehung mit ihm. Immer wieder hatte er nach seiner Auferstehung Gemeinschaft mit seinen Leuten, damit sie seiner lebendigen Gegenwart, seiner Liebe und Vergebung sicher waren. Sie sollten seine Zeugen sein - nicht Rabbiner seiner Lehre. Sie sollten allen über ihn erzählen, indem sie ihr Leben miteinander teilten, einander liebten und dienten.
Als Buddha im Sterben lag, fragten ihn seine Jünger, wie sie ihn am besten in Erinnerung behalten könnten. Er sagte ihnen, was wirklich zähle, sei seine Lehre und nicht seine Person. Bei Jesus ist das völlig anders. Alles findet in Ihm seinen Mittelpunkt - er ist das Zentrum der Geschichte und der Anker in der Zeit.
3. Zum Gehorsam berufen
Die Jünger eines jüdischen Rabbiners unterwarfen wie als Sklaven ihrem Meister, bis sie selbst Rabbiner wurden. Aber Jesus ruft seine Jünger zu bedingungslosem Gehorsam für ihr ganzes Leben. Wir werden unsere Ausbildung nie abschließen - ihm zu gehorchen, ist die Erfüllung unseres Lebens. So fragt Jesus uns: »Was heißt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?«
Ein Jünger Jesu zu sein, heißt ihm zu folgen, den Weg zu gehen, den er geht und seinen Plan und Willen für mein Leben anzunehmen. »Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.« Es ist die Forderung, dem alten, selbstsüchtigen Leben der Sünde Nein zu sagen. Innerer Glaube muss von äußerem Gehorsam begleitet werden. Søren Kierkegaard sagte: »Es ist so schwer zu glauben, weil es so schwer ist, zu gehorchen.«
Trotzdem wollen wir oft den bequemen Kompromiss der „bedingten“ Jüngerschaft. Wir wollen letztlich den Ton angeben und das letzte Wort haben. Aber: Wenn Jesus nicht der Herr unseres ganzen Lebens ist, dann ist er überhaupt nicht Herr. In der Jüngerschaft gibt es keine halbe Sachen. Also: Sei ganz sein, oder lass es ganz sein!
In diesem schmerzlichen, doch befreienden Leben des Gehorsams sollen wir nicht allein kämpfen, sondern einander ermutigen. »Sehet zu, liebe Brüder, dass nicht jemand unter euch ein arges, ungläubiges Herz habe, das da abfalle von dem lebendigen Gott, sondern ermahnet euch selbst alle Tage, solange es „heute“ heißt, dass nicht jemand unter euch verstockt werde durch den Betrug der Sünde.«
Innerhalb der Familie Gottes sind wir ewig miteinander verbunden. Wir sollen eine Qualität der Liebe und des Vertrauens untereinander entwickeln, die normale menschliche Beziehungen übersteigt. Der Geist Gottes, durch den wir den allmächtigen Gott »Abba! Vater!« nennen, ist der gleiche Geist, der uns befähigt, jeden anderen wahren Christen als Bruder oder Schwester zu erkennen.
Oder um es mit Reinhold Ulonska zu sagen: „Ich will nicht weniger Brüder und Schwestern haben, als mein Vater im Himmel Kinder hat!“
4. Zum Dienen berufen
Die Jünger wurden ausgesandt, das Reich Gottes in der Kraft des Hl. Geistes zu verkündigen: »Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt böse Geister aus« . Mth 10,8
Als Jesus Petrus und Andreas rief, sagte er ihnen, dass er sie zu Menschenfischern machen will. Jesus ist gekommen, um für andere sein Leben zu geben, und seine Jünger waren berufen, genau das gleiche zu tun. Aber sie begriffen das nicht immer. Sie fielen in zwei entgegen gesetzte Versuchungen, die den Geist des Dienstes in ihnen verkrüppelten.
Die erste Versuchung war ihr Ehrgeiz. Mehrmals diskutierten sie, wer von ihnen der Größte ist. Jakobus und Johannes wollten die höchsten Ehrenplätze im Himmel haben. Das ist der Geist der Welt: die Suche nach Status statt Dienst. Jesus wies sie zurecht: »Wer groß sein will unter euch, der sei euer Diener; und wer der Erste sein will unter euch, sei euer Knecht; gleichwie des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.« Mth 20,26-28. Jesus selbst wusch ihnen die Füße.
Die zweite Versuchung war ihr Selbstmitleid. »Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt«, sagte Petrus, als er begriff, was die Jüngerschaft kostet. Aber Jesus versicherte ihm, dass die, die alles für das Reich Gottes verlassen, es vielfältig wieder empfangen werden in dieser Zeit, »und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.«
Wir müssen unsere Schwäche ehrlich eingestehen, aber Selbstmitleid hindert das Werk Gottes in unserem Leben. Nur wenn uns die Gnade Gottes genügt, können wir andere im liebevollen und demütigen Geist Jesu dienen. Der Diener kann keine Bedingungen stellen - er hat seine Rechte aufgegeben und muss die gewohnten Komforts und Belohnungen aufgeben. Je älter wir werden, desto mehr sehnen wir uns nach Privilegien, Positionen und Respekt, aber das ist nicht der Weg Jesu.
Wir müssen Gott Mittelpunkt unseres Lebens sein lassen. Es ist einfach, Jesus in evangelistischen Gesprächen als jemanden vorzustellen, der mit allen Nöten fertig wird. Es gehört zur Guten Nachricht von Christus, dass er sich danach sehnt, unsere tiefsten Nöte zu beantworten. Aber das ist nur die eine Seite. In der Praxis werden viele Nöte dann gestillt, wenn wir uns im Dienst an Christus und an anderen hingeben. Diejenigen, die ihr Leben verlieren, werden es finden. Die Not der Welt ist unvorstellbar groß. In seiner Liebe sehnt sich Gott danach, alle die zu erreichen, die innerlich oder laut nach Hilfe rufen; aber er hat sich entschieden, hauptsächlich durch die Jünger Jesu zu wirken. Wenn wir uns nur mit unseren eigenen Bedürfnissen befassen, oder wenn es uns um Ansehen und Position in der Gemeinde oder Gesellschaft geht, sind wir für Gott nutzlos. Wir sind berufen, zu dienen, und müssen dahin gehen, wo der Herr uns hinschickt und tun was Er uns aufträgt.
5. Zum einfachen Leben gerufen
Jesus gab alle irdische Sicherheit und materielle Bequemlichkeiten auf. Oft hatte er kein Dach über dem Kopf, und lebte in völliger Abhängigkeit von der Liebe und Treue seines Vaters.
Er rief seine Jünger zu einem Leben der Demut (= der Mut, den eigenen Stolz fahren zu lassen) und Armut (= der Mut, die vermeintlichen Sicherheiten des Mammon aufzugeben). Sie sollten ihren Besitz verkaufen und Almosen geben. »Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Tasche zur Wegfahrt, auch nicht zwei Röcke, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert.« Sie sollten in allem auf ihren himmlischen Vater vertrauen. Sie hatten umsonst empfangen und mussten es auch umsonst geben. Wie ihr Herr mussten auch sie ihre Familien, ihren Beruf und ihre Sicherheiten lassen. Aber wenn sie nach seinem Reich trachten, dann wird ihnen alles, was sie brauchen, gegeben.
Unser Wohlstand ist ein großes Hindernis für effektive Jüngerschaft. Gott wird uns erst dann die wahren Reichtümer des geistlichen Lebens und seiner Kraft anvertrauen, wenn wir wirklich ihm dienen und nicht dem Mammon. Wenn uns Geld und Gut anvertraut werden können und wir nach dem neutestamentlichen Prinzip der Bescheidenheit oder des »Genug«-Prinzip leben lernen, wird Gott uns auch die Gaben des Geistes anvertrauen, die unser Leben immens bereichern werden. Dann können wir kraftvoll das Evangelium verkündigen und Gott wird es mit Zeichen und Wundern bestätigen.
6. Zum Leiden berufen
Jünger Jesus müssen bereit sein, seinen Weg des Kreuzes zu gehen. »Denn euch ist die Gnade gegeben, um Christi willen beides zu tun: dass ihr nicht allein an ihn glaubt, sondern auch um seinetwillen leidet.« Phil 1,29
Jesus sprach oft über sein eigenes Leiden und über das, was seine Nachfolger erleben müssen. Für ihn endete das Leben mit Verachtung, Schmerz und einem qualvollen Tod. Deshalb dürfen wir nicht überrascht sein, wenn uns die Nachfolge Jesu auf den gleichen Weg führt. Viele Jünger litten körperlich: Petrus und Johannes kamen ins Gefängnis und wurden geschlagen; Stephanus wurde gesteinigt, Jakobus mit dem Schwert getötet. Paulus wurde fünfmal ausgepeitscht, dreimal mit Stöcken geschlagen und einmal gesteinigt.
Verfolgung hat es während der gesamten Kirchengeschichte gegeben.
Es ist ernüchternd, wie viele bekennende Christen in den letzten Jahren für ihren Glauben in vielen Teilen der Welt ins Gefängnis gekommen, gefoltert und ermordet worden sind. Es wird geschätzt, dass es im 20. Jahrhundert mehr Märtyrertode als sonst in der gesamten Kirchengeschichte zusammen gegeben hat.
Jesus warnte seine Jünger: „Hütet euch aber vor den Menschen; denn sie richten und werden euch geißeln in ihren Synagogen. Und man wird euch vor Fürsten und Könige führen um meinetwillen…- Es wird aber ein Bruder den andern zum Tod überantworten und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören wider ihre Eltern und ihnen zum Tode helfen. Und ihr müsset gehasst werden von jedermann um meines Namens willen. Mth 10,17-21.
Wikipedia: Das Christentum ist in der Gegenwart als größte Weltreligion auch die Religion, die am häufigsten verfolgt wird. 80 Prozent der Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, sind Christen.
Das Hilfswerk Open Doors gibt an, dass weltweit etwa 200 Millionen Christen in 25 Ländern wegen ihres Glaubens von Misshandlungen, Gefängnis oder Tod bedroht seien. Open Doors gibt auch einen Weltverfolgungsindex heraus, der für jedes Land das Maß der Christenverfolgung angibt.
Im Jahrbuch zur Christenverfolgung „Märtyrer 2006“ schreibt Thomas Schirrmacher, dass der Anteil der Christen bei der Ermordung von Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit bei weit über 90 Prozent liegen dürfte.
Dennoch: Mitten im Leid ist Gott tief in unserem Leben am Werk. Menschen mit der größten geistlichen Sensibilität und Tiefe sind diejenigen, die das meiste Leid erfahren haben. Sie haben eine „Kartoffel-Natur“, d.h. wenn sie in siedendes Wasser fallen, werden sie je länger je mehr weich und genießbar – ein Ei wird hart.
7. Berufen ohne Rücksicht auf Qualifikationen
Jesus rief einen seltsamen Querschnitt der damaligen Gesellschaft zu sich. Manche waren Fischer, Zeloten (Freiheitskämper), ein verachteter Levit war dabei - und wir finden griechische und jüdische Namen, Mth 10,1-4
Wir hätten Männer mit besseren Qualifikationen ausgesucht. In völligem Gehorsam zum Vater rief Jesus die, die ihn später immer wieder enttäuschten. Trotzdem liebte er sie bis zum Ende.
Dadurch gab Jesus das Vorbild für die christliche Gemeinde. »Sehet an, liebe Brüder, eure Berufung: nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Gewaltige, nicht viele Edle sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das da nichts ist, damit er zunichte mache, was ist, auf dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.« 1. Kor 1, 26-29
Gott lässt sich nicht von Diplomen, Dr.- oder Meistertiteln Bibelschulausbildung oder Ordination beeindrucken. Er sieht das Herz an und prüft unsere Gesinnung. Danach ruft er Menschen in die Nachfolge und in den Dienst. Auf die Hingabe kommt es an.
8. Zur Gemeinschaft untereinander berufen
Christus ruft uns nicht nur zur Gemeinschaft mit ihm, sondern auch zum Miteinander in der Gemeinde. Gott will, dass wir unsere Individualität behalten, denn er liebt die Vielfalt. Aber er mahnt uns, unsere Unabhängigkeit aufzugeben, denn sie ist die Wurzel aller Sünde.
Die Gemeinde darf kein elitärer Klub sein, der sich selbst gefällt, sich immer um sich selber dreht und wo sich isolierte Einzelne für eine gewisse Zeit in der Woche treffen. Die Gemeinde Jesu ist ein lebendiger Organismus, wo Er das Haupt ist und jeder ein Glied, das in einem Leib mit anderen verbunden ist.
Man kann die menschliche Natur mit der von Stachelschweinen in einer kalten Winternacht vergleichen. Wenn die Temperatur unter Null Grad sinkt, suchen die Stachelschweine gegenseitige Wärme und drängen sich zusammen. Doch sie verletzen sich mit ihren Stacheln, gehen auseinander, um dann den nächsten Versuch zu starten, sich gegenseitig zu wärmen.
Unsere natürliche, aber sündige Unabhängigkeit ist vor allem eine Verteidigungsmaßnahme gegen enge und schmerzhafte Beziehungen. Hier müssen wir aktiv gegensteuern, unser Leben öffnen, miteinander teilen und unsere Masken abnehmen. Das heißt, wir müssen unsere Sünde und alle unsere Rechte aufgeben und uns in der Tuchfühlung mit anderen verletzbar machen. Dazu sind vertrauensschaffende Maßnahmen notwendig.
Wir müssen uns sowohl der Autorität Christi unterwerfen, wie auch einander in Liebe tragen: Einer achte den anderen höher als sich selbst.
Die christliche Gemeinde ist kein Klub, zu dem wir gehören, damit unsere Bedürfnisse gestillt werden. Sie ist ein Leib, ein Gebäude, eine Familie, eine Armee. Diese Bilder zeigen, dass wir Verantwortung auf uns nehmen, wenn wir dem Ruf Christi gehorchen. Es ist keine Frage unserer Gefühle oder der persönlichen Wahl, wir müssen die Bedingungen Jesu kompromisslos akzeptieren. Wir gehören uns nicht mehr selbst - wir gehören einander als dem Leib Jesu. Der Preis ist hoch, aber die Privilegien und die Belohnung sind höher!
„Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und liebst sie, …“ Joh 17, 22-24
An der Erhörung eines solch tiefen Gebets teilzuhaben, ist sicherlich die Aufopferung eines jeden Teils unseres Lebens wert.
Überarbeitung aus: David Watson, Jüngerschaft, Projektion J